Was ist ein Faksimile?

Unter einem Faksimile versteht man die originalgetreue Kopie oder Reproduktion eines historisch wertvollen Dokuments wie einer Schrift, eines Buches oder einer Zeichnung.

Der Begriff Faksimile ist im 19. Jahrhundert in Anlehnung an die lateinischen Wortfolge fac simile entstanden. Diese Zusammensetzung aus dem lateinischen Verb facere (dt.: machen) und dem Adjektiv similis (dt.: ähnlich) lässt sich ins Deutsche mit „mache es ähnlich“ übersetzen. Die deutsche Übersetzung ist auch ein direkter Hinweis darauf, worum es bei einem Faksimile im Kern geht: nämlich um eine Reproduktion einer Vorlage, die dieser ähnelt und zumeist nicht vom Original zu unterscheiden ist. Damit unterscheidet sich ein Faksimile auch von einem Nachdruck, der zwar originalgetreu den Text eines Werkes wiedergibt, aber im Layout variieren kann.

Die Technik der Faksimilierung


Zum Beginn der Herstellung eines Faksimiles wird zunächst das Originals mit aktueller digitaler Fototechnik aufgenommen.  Oftmals finden die Aufnahmen direkt am Ort der Aufbewahrung statt, also in Bibliotheken, Archiven oder Museen, da die wertvollen Originale durch den Transport Schaden nehmen könnten.

Die durch die Aufnahmen erhaltenen Bilddaten werden anschließend für den Druck aufgearbeitet (man sagt auch separiert). Auf der Grundlage dieser Farbseparation werden erste Probedrucke erstellt. Diese Probedrucke werden anschließend so lange und so oft mit dem Original verglichen und korrigiert, bis die Farben exakt mit dem Original übereinstimmen. Erst nach diesem Prozess kann der eigentliche Druck eines Faksimiles beginnen. Der Druck erfolgt auf einem Spezialpapier, das vom Aussehen und der Haptik die Eigenschaften von Pergament imitiert. Jedoch ist dieses Papier im Gegenzug zu Pergament extrem haltbar und weist mit der Zeit keinerlei Alterungsspuren auf.

Da Gold in mittelalterlichen Handschriften eine große dekorative Bedeutung spielte, zugleich aber auch einen hohen Symbolwert als Zeichen der Unvergänglichkeit, des göttlichen Wortes, des Reichtums, der Macht besaß, muss bei der Faksimilierung überall dort, wo das Original Blattgold aufweist, Echtgold aufgetragen werden. Dazu wird bei der Herstellung Gold von mindestens 22 Karat verwendet, das in einem weiteren Arbeitsschritt oft mit einer Patina überzogen wird, um die Alterungsspuren des Originals wederzugeben.

Schließlich werden die einzelnen Seiten des Faksimiles im Originalformat beschnitten und die einzelnen Bögen gefalzt, also mit einer Falz- oder Knickkante versehen werden. Die auf diese Weise entstehenden Lagen werden dann geheftet und bekommen anschließend einen Einband, der dem Original ebenfalls in allen Details nachempfundenen ist. Dabei ist bei mittelalterlichen Bucheinbänden eine große Vielfalt von verwendeten Materialien zu verzeichnen: Neben Ledereinbänden gibt es auch solche aus Seide, Elfenbein oder Emaille. Für den Buchbinder ist die detailgetreue Wiedergabe des Einbandes daher eine besondere Herausforderung, bei der handwerkliches Spezialwissen auch aus anderen Bereichen gefragt.

Die auf diese Weise entstehenden Faksimiles sehen am Ende genauso aus wie die empfindlichen Originalausgaben, sind jedoch quasi unbegrenzt haltbar und damit für private Sammler und Institutionen eine attraktive und wertbeständige Alternative.


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