Salzburger Perikopenbuch (Bayerische Staatsbibliothek, München, Clm 15713)

Nach der ersten Blütezeit der karolingischen Buchkunst entstehen auch in der Epoche der ottonischen Herrscher herausragende Blüten dieser Kunst. Dazu gehört ohne Zweifel das Salzburger Perikopenbuch, das wahrscheinlich kurz nach der Jahrtausendwende für den Erzbischof Hartwig (Erzbischoff von 991 bis 1023) geschaffen wurde. Ein Perikopenbuch oder Evangelistar umfasst die im Laufe des Kirchenjahres im Gottesdienst verwendeten biblischen Textstellen und diente dem Priester als Hilfsmittel zur Vorbereitung und Durchführung der Messe.

Dank der ehelichen Verbindung Kaisers Otto II. (955-983) mit Theophanu aus dem Hause Byzanz prägten gegen Ende des 10. Jahrhunderts verstärkt Einflüsse der byzantinischen Buchkunst mit ihren ganz eigenen Gestaltungselementen die Salzburger Buchmalerei. Dieser künstlerische Einfluss macht sich auch im Perikopenbuch auffällig bemerkbar. Schon vorher hatte diese Kunstform dank der Trennung des Klosters St. Peter von der Erzdiözese entscheidende Impulse bekommen.


Besonders auffällig ist die reiche Ausstattung des Manuskriptes mit Goldelementen: Nicht nur die 19 großformatigen Miniaturen sind kunstvoll vergoldet, sondern auch zahlreiche (Prunk) Initialen, die sich durch den gesamten Text ziehen, erstrahlen im hellen Glanz.


Ebenso eine Augenweide ist der Einband der Handschrift auf rotem Leder, der mit 12 Täfelchen aus Elfenbein geschmückt ist. Diese Arbeiten sind die einzigen ihrer Art, die erhalten sind und stammen vermutlich aus einer Werkstatt in Spanien oder Frankreich. Ihre eigentliche Bestimmung war der Schmuck eines Tragaltars.


Faszinierend ist auch die weitere Überlieferungsgeschichte dieses Kleinods. Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts gibt es keinerlei Hinweise auf seine Existenz. In keinem Verzeichnis und in keiner Inventarliste findet sich eine Spur der Handschrift, die Bestandteil des Salzburger Domschatzes war. Erst in den Zeiten der napoleonischen Besatzung wird die Handschrift erstmalig verzeichnet, und zwar als Teil der Kriegsbeute, die die französischen Truppen aus dem Salzburger Domschatz nach Paris schafften.


Doch schon wenige Jahre später wechselte der Standort des Perikopenbuches erneut: Da die Stadt zu Beginn des 19. Jahrhunderts einige Jahre zu Bayern gehörte, wanderte die Handschrift nach der endgültigen Niederlage Napoleons an ihren heutigen Standort nach München, wo sie seitdem in der Staatsbibliothek verwahrt wird.


Unter der Schirmherrschaft seiner Eminenz Dr. Franz Kardinal König, Wien liegt nun erstmalig eine vollständige Faksimile-Ausgabe des Salzburger Perikopenbuches vor. Die Ausgabe besteht aus 140 Seiten im Originalformat von 37,2 x29 cm, die wie das Original randbeschnitten sind und manuell geheftet wurden. Der Buchschmuck ist ebenfalls in traditioneller Handarbeit unter Zuhilfenahme moderneren Technik so wiedergegeben, wie er in der Handschrift erstrahlt.


Ebenfalls dem Original nachgebildet ist der Einband aus rotem Ziegenleder, der mit den beschriebenen Elfenbeintafeln besetzt ist und von Metallschließen geschlossen werden kann. Anders als die bereits vergriffene Vorzugsausgabe, für die auch die elfenbeinernen Täfelchen des Einbandes repliziert wurden, ist der Einband der auf 300 Exemplare limitierten Normalausgabe mit einer Blindprägung versehen.


Zahlreiche Experten äußern sich in dem beiliegenden Kommentarband in entsprechenden Beiträgen zur Geschichte des Salzburger Perikopenbuches.


Das Salzburger Perikopenbuch ist im deutschsprachigen Markt exklusiv bei DOMI Exclusiv erhältlich (www.domi-exclusiv.com).

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