Oxforder Bibelbilder (Walters Art Museum, Baltimore, Ms. W. 106 / Musée Marmottan, Paris)

Viele der Buchmaler des Mittelalters kennen wir nicht mit Namen und nur ihre Werke sind erhalten. Das ist im Fall des William de Brailes aus Oxford anders. Er schuf im 13. Jahrhundert mit der Oxforder Bilderbibel einen reinen Bilderzyklus mit biblischen Szenen, der ganz im Stil der frühen Gotik gehalten ist.

Die Darstellungen William de Brailes sind dabei sehr lebendig und originell, ja bisweilen sogar satirisch und haben bis heute nichts von ihrer erzählerischen Kraft eingebüßt. Hinzu kommt die ausgesprochen üppige Ausstattung: Jede Miniatur hat einen Hintergrund aus poliertem Blattgold, der die szenische Bedeutung der dargestellten Inhalte noch einmal besonders betont.

Leider ist bis heute nicht bekannt, wer der Auftraggeber William de Brailes gewesen ist. Einig ist man sich nur, dass diesem kein Preis zu hoch war. Da im 13. Jahrhundert der weltliche Adel nach Gebets- und Andachtsbüchern verlangte, ist zu vermuten, dass die Oxforder Bilderbibel zu diesem Zweck entstanden ist.

Spannen ist auch das weitere Schicksal der Handschrift, die in Teilen erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts bei einem Antiquar in Paris auftauchte. Dieser verkaufte einen kleineren Teil von sieben Folios an die Collection Wildenstein, die diese später dem Musée Marmottan in Paris übergab, und behielt die restlichen 31 für sich. Zusätzlich ließ er sie in einen roten Samt einbinden, der sonst nicht für diese Zwecke benutzt wurde und ließ in die Vorderseite eine geschnitzte Elfenbeinplatte im gotischen Stil einsetzen. Die Platte, auf der Szenen aus dem Leben Jesu zu sehen sind, ist äußerst dünn und hat ein Format von 8,0 x 5,0 cm. Ihre Herkunft ist zum Glück bekannt: Sie wurde in Deutschland im Rheinland gegen Ende des 14. Jahrhunderts gefertigt. Der Einband ist somit ein kunstgeschichtliches Unikum. Der amerikanische Industrielle Henry Walters erwarb die Oxforder Bilderbibel als Ausstellungsstück für das von ihm gestiftete Kunstmuseum in Baltimore.

Die Faksimile - Ausgabe der Oxforder Bibelbilder ist in einer Auflage von 980 Exemplaren hergestellt worden und enthält die 31 Seiten des Originals in dessen Format von 13,5 x 10,0 cm. Auch der Einband ist dem Original nachempfunden. Geliefert wird die Ausgabe in einer ebenfalls handgefertigten Schmuckkassette mit einem Sichtfenster aus Acryl, der den Blick auf den Einband erlaubt. Die Edition wird ergänzt durch einen wissenschaftlichen Kommentar von Willam Noel vom Walters Art Museum in Baltimore.

Die Oxforder Bilderbibel a ist im deutschsprachigen Markt exklusiv bei DOMI Exclusiv erhältlich (www.domi-exclusiv.com).

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