Neu im Jahr 2019: Der Königspsalter der Sainte-Chapelle

Eines der schönsten Werke der französischen Buchmalerei des 13. Jahrhunderts wird im Jahr 2019 erstmals als Faksimile-Edition erhältlich sein: der Königspsalter der Sainte-Chapelle (Bibliothèque de l’Arsenal, Ms. 1186).

Der Psalter ist vermutlich zwischen 1200 und 1230 für die Mutter des französischen Königs Ludwig IX., genannt der Heilige (1214-1270), geschaffen worden sein.  Darauf deutet ein Gebet auf Folio 190r hin, in dem im lateinischen Text feminine Endungen („me miserrimam peccatricem“) verwendet werden. auf Folio 122v ist zudem eine vor einem Altar betende Frau in einer prachtvollen Bildinitiale dargestellt. Blanka von Kastilien war die Tochter von König Alfons VIII. von Kastilien und übernahm nach dem Tod ihres Mannes Ludwig VIII. zeitweilig auch die französische Regentschaft für den noch minderjährigen Sohn.  Ludwig IX. zählt zu den wichtigsten mittelalterlichen Monarchen, seine Herrschaftszeit wird in Frankreich auch als goldenes Zeitalter oder „le siècle d’or de St. Louis“ bezeichnet. Man nimmt an, dass der Psalter seiner Mutter dem jungen Regenten als Quelle zum Lesen Lernen gedient hat und später in seinen Besitz übergegangen ist. 

Seinen Namen verdankt der Königspsalter auch der Pariser Kapelle Sainte-Chapelle, die sich auf der Île de la Cité unweit von Notre Dame entfernt befindet und als Juwel gotischer Baukunst auf Anordnung von König Ludwig IX. gebaut wurde. Der König wollte mit ihr einen zentralen Aufbewahrungsort der Reliquien der Passion Christi schaffen, nachdem er im Jahr 1239 die von Jesus getragene Dornenkrone von Balduin II. (1217-1274), dem Eroberer und Kaiser Konstantinopels, erworben hatte. Der Königspsalter wurde ab 1335 ebenfalls in der Saint-Chapelle verwahrt. Das Original befindet sich seit dem 18. Jahrhundert in der Bibliotheque d`Arsenal, einem der vier Pariser Standorte der französischen Nationalbibliothek.

Der Psalter besteht aus 192 Folios im Format 280 x 220 mm und enthält 27 ganzseitigen Miniaturen biblischer Szenen. Diese sind als kreisförmige Medaillons gestaltet, die miteinander verschränkt sind. Sie erinnern an vom Aufbau und der Farbenpracht an die prachtvollen Fenster französischer Kathedralen. Daneben enthält der Psalter 24 Kreismedaillons im Kalenderteil, auf denen Sternzeichen und symbolische Szenen für jeden Monat gezeigt werden. Weiterhin besticht das Werk durch die zahlreichen vergoldeten Bildinitialen und eine Vielzahl von kunstvollen Ornamenten, die die Ränder der Folios schmücken. 

Um den Einband zu schützen, hat vermutlich Karl V. (1330-1380) eine aus prachtvollem Stoff bestehende und mit goldenen Fleur de Lys bestickt „Chemise“ anfertigen lassen. Diese ist eines der seltenen erhaltenen Zeugnisse gotischer Buchbindekunst und wird für die Faksimile-Ausgabe ebenfalls repliziert wie die aus dem 19, Jahrhundert stammende Schutzkassette, die als repräsentativer Aufbewahrungsort dient.

Die Faksimile-Edition wird 2019 im Verlag Müller und Schindler erscheinen und wird im deutschsprachigen Markt exklusiv bei DOMI exclusiv erhältlich sein. 

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