Der Trojanische Krieg von Guido de Columnis

(Österreichische Nationalbibliothek, Wien, Cod. 2773)

Keine andere antike Sage übt bis heute eine ähnliche Faszination aus wie die Erzählung vom Untergang der Stadt Troja. Auch im Mittelalter hatte der Stoff eine besondere Bedeutung und viele Adelige versuchten den Ursprung ihrer Familien auf trojanische Helden zurückzuführen.

Insofern verwundert es nicht, dass in dieser Zeit zahlreiche literarische Umsetzung des Sagenstoffes entstanden sind. Dazu gehört auch die „Historia destructionis Troiae“, die Erzählung vom Untergang Trojas aus der Feder des Sizilianers Guido de Columnis, die im 13. Jahrhundert entstanden ist. Das in lateinischer Sprache verfasste Epos wurde zu einem Riesenerfolg und daher in viele Volkssprachen übertragen und noch Jahrhunderte später gedruckt.


Illustration der Lebenswelt am Hofe


Die Faksimile-Ausgabe des Codex 2773 aus der Österreichischen Nationalbibliothek, die im 15. Jahrhundert in Regensburg entstanden ist, ist eine besondere Ausgabe dieses Werkes und zugleich eine der faszinierendsten Handschriften des Spätmittelalters: Der Codex ist zum einen eine eigens angefertigte Übersetzung der Troja-Erzählung, zum anderen aber auch ein Bilderhandbuch des zeitgenössischen höfischen Lebens: So  finden sich auf den 478 Seiten der Handschrift im Format 27,5 x 37 cm allein 334 Miniaturen, die nicht nur die Kampfszenen der antiken Erzählung als mittelalterliche Schlachten verklären, sondern auch das Brauchtum und die Lebensformen der mittelalterlichen Gesellschaft präsentieren.

Der Illuminator des Werkes hat sich mit den lateinischen Worten „Martinus opifex“ als Schöpfer ein Denkmal gesetzt. Es handelt sich um den bekannten Regensburger Buchmaler Martin, dessen Spuren in der Stadt von 1432 bis 1456 nachzuweisen sind. Regensburg war im Mittelalter eine Königpfalz und Ursprung zahlreicher bedeutender Zeugnisse der mittelalterlichen Buchmalerei.

Ein Adressat der Handschrift lässt sich nicht identifizieren, so dass davon ausgegangen werden kann, dass Martin sie zu Lebzeiten behielt; erst nach seinem Tod verkaufte seine Witwe 1456 das gute Stück an die Stadt und erhielt dafür etwa 15 kg Silber. Später gelangte der Codex in den Besitz des kaiserlichen Kanzlers und der Familie der Habsburger nach Wien.

Seit dem späten 16. Jahrhundert wurde die Handschrift in die Bibliothek Kaiser Ferdinand II. () integriert, die sich zwischenzeitlich auf dem Tiroler Schloss Ambras befand, bevor diese wieder nach Wien zurückgeführt wurde.

Ab ca. 1574 wurde der Wiener Troja-Roman als Teil der Bibliothek von Erzherzog Ferdinand II. (1529 – 1595), der einer der wichtigsten Sammlerpersönlichkeiten seiner Zeit war, auf Schloss Ambras in Tirol aufbewahrt, von wo er dann zusammen mit einem Großteil der Ambraser Sammlung wieder nach Wien transferiert wurde. 

Der heutige Zustand entspricht bis auf den Einband, der 1951 erneuert wurde, dem Original aus dem 15. Jahrhundert.  Für die Faksimile-Ausgabe ist daher ein anderer zeitgenössischer Einband einer spätmittelalterlichen Kalenderhandschrift aus edlem Leder und mit vier Schließen gewählt worden.  Rahmenecken und die Mitte des Buchdeckels werden von einer Rosette aus Echtgold geschmückt.

Damit dieser Einband auch repräsentativ zur Geltung kommt, werden das Faksimile und der dazugehörige Kommentarband gemeinsam in einer Kassette mit Acryldeckel geliefert. Der wissenschaftliche Komment ist unter Beteiligung der Experten Karin Schneider und Norbert H. Ott (München), Katharina Hranitzky (Wien) sowie Gude Suckale-Redlefsen und Robert Suckale (Berlin) entstanden, die sich zum ersten Mal tiefgehender wissenschaftlich mit der Handschrift auseinandergesetzt haben.

Dieser Titel ist im deutschsprachigen Markt exklusiv bei DOMI exclusiv erhältlich (www.domi-exclusiv.com).

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