Der Erdglobus von Gerhard Mercator (1541) – Teil 2

Im südlichen Stillen Ozean ist eine Kartusche zu sehen, die Gerhard Mercator (1512–1594) als Schöpfer des Erdglobus ausweist.

Details des Erdglobus

Die lateinische Formulierung enthält gleichzeitig eine Art Copyright: Edebat Gerardus Mercator Rupelmundanus cum privilegio Ces(areae) Maiestatis ad an: sex Lovanij an: 1541/ herausgegeben von Gerard Mercator mit Privileg des Kaisers für sechs Jahre, Leuven 1541. Mercator ließ sich also die Rechte an seinem in Leuven (Flandern) hergestellten Globus durch kaiserliches Privileg für sechs Jahre sichern. Interessant ist, dass gerade diese Kartusche von Meeresungeheuern umzingelt ist – wahrscheinlich, um den Ernst dieses Textes zu betonen.

Seeungeheuer tauchten bereits ab dem 10. Jahrhundert auf mittelalterlichen Weltdarstellungen auf und waren zur Zeit Mercators sehr beliebt. Sie schmückten, waren unterhaltsam und manchmal befremdlich; ausgedehnte Leerflächen auf Karten konnten bequem mit ihnen ausgefüllt werden. Als Symbol auch für das Fremde und Bedrohliche wurden die seltsamen Wesen auf Karten entsprechend häufig in Gewässern dargestellt, die in eher unbekannten Gebieten lagen. Außer den anfangs erwähnten Meeresungeheuern in Stillen Ozean hat Mercator auf seinem Globus zum Beispiel auch welche im Atlantik nordwestlich von Spanien eingezeichnet.

Nordamerika ist auf Mercators Globus noch als weitgehend unerforschtes Land dargestellt; nahtlos geht es in riesige arktische Gebiete über. Die meisten Ortseintragungen sind in großer Dichte an den Küstenlinienversammelt. Sicherlich hat Mercator hier zahlreiche Orte aus verschiedensten zeitgenössischen Seekarten übernommen. Differenziert sind die Karibischen Inseln sowie Zentralamerika dargestellt – Gegenden, die zu Mercators Zeit durch Reisende, Entdecker und Eroberer sehr gut dokumentiert waren.

Für eine verbesserte Darstellung des asiatischen Kontinents waren die Berichte des venezianischen Orientreisenden Marco Polo eine wichtige Quelle. Die zu starke Ausdehnung Asiens und ein zu großer Abstand zwischen China und Japan gehen auf den Mathematiker und Kartografen Paolo dal Pozzo Toscanelli zurück, der Marco Polo hie und da missverstanden hatte und zudem von einem noch größeren Asien ausging als Ptolemäus, der die Ausdehnung bereits überschätzt hatte.

Neben den erstaunlich zahlreichen eingetragenen Orten des afrikanischen Kontinents bietet Mercator auch Informationen zu geografischen Gegebenheiten und beschreibt in einzelnen Regionen vorkommende Tiere. So steht z.B. im Norden Afrikas: Libya: Hic sunt vast(a)e solitudines et deserta leonibus, tigridibus, pardis, et elephantibus abundantia / Nordafrika: Hier sind riesige Einöden und Wüsten mit vielen Löwen, tigerähnlichen Tieren, Panthern und Elefanten.

Die Gestalt des europäischen Kontinents wurde durch Gerhard Mercator entscheidend korrigiert. Dies wird besonders deutlich, wenn man sein Europa mit der ptolemäischen Darstellung des Mittelmeers vergleicht: Es ist deutlich weniger ausgedehnt. Aufgrund der hohen Ortsdichte entschied Mercator, die Namen der europäischen Reiche und deren wichtigster Städte auf einer großen Kartusche zu sammeln und mit Nummern zu versehen.

Zu einer allumfassenden Beschreibung gehörte für Mercator auch das, was die Erde umgab. Sein Himmelsglobus aus dem Jahr 1551 zeigt die verschiedenen Sternenkonstellation als eindrucksvolle Figuren im antikisierenden Stil. Im Kartenbild des Erdglobus sind dagegen nur vereinzelt wichtige Sterne – insgesamt 29 – als Orientierungshilfe eingetragen, vor allem in der Nähe schwierig zu befahrender Meeresengen und in Wüstengebieten.

Teile diesen Beitrag auf:

Top