Das Wiener Musterbuch (Inv.-Nr. KK 5003/5004 Kunstkammer des Kunsthistorischen Museums)

Zu den vielen Schätzen des Wiener Kunsthistorischen Museums gehört eine Sammlung von über 50 Zeichnungen eines unbekannten Künstlers aus Böhmen, das gemeinhin als „Musterbuch“ bezeichnet wird. Seite Ende 2012 ist es als Teil der Kunstkammer des Museums auch wieder der Öffentlichkeit zugänglich groß. Der eigentliche Zweck des Werkes aber ist bis heute ins Dunkel der Geschichte gehüllt.

Die Zeichnungen sind allesamt auf 14 Ahornholz-Tafel im Format 9,5 cmm x 9 cm) ausgeführt, so dass jedes Täfelchen jeweils vier in kleine Rahmen gefasste Kunstwerke enthält. Die Zeichnungen sind meisterhaft mit dem Silberstift ausgeführt. Dieses Schreib und Malwerkzeug ähnelt dem modernen Bleistift und wurde vor allem im 15. Jahrhundert ausgiebig von Künstlern genutzt. Auch von Leonardo da Vinci, Albrecht Dürer oder Hans Holbein kennen wir solche Arbeiten mit dem Silberstift.

Unser unbekannter Künstler steht diesen Namen in der Qualität in nichts nach und hat seine Zeichnungen im sog. Weichen oder Schönen Stil angefertigt, der sich durch seinen Reichtum an Formen auszeichnete und sich seit dem 14. Jahrhundert in ganz Europa durchgesetzt hat. Die Zeichnungen mit dem Silberstift sind mit dem Pinsel leicht in Rot und Weiß verstärkt und wirken dadurch noch plastischer.

Dargestellt sind auf 39 der Zeichnungen äußerst kunstvolle Portraits, die die abgebildeten Personen sehr individualisiert darstellen. Neben christlichen Bildmotiven wie Maria, die Mutter Gottes, Jesus als Knabe und am Kreuz sowie die Apostel gibt es auch eine Vielzahl von Motiven, die aus der weltlichen Sphäre stammen und neben höfischen Motiven auch zeitlose und allegorische Szenen der antiken Mythologie zeigen.  Die übrigen 16 Tafeln zeigen Wesen aus der Tier- und Fabelwelt, darunter die faszinierende Darstellung einer Spinne und ein Totenschädel.

Außergewöhnlich ist auch die Form der Aufbewahrung: Die Täfelchen werden von einem dunklen Etui aus Leder geschützt, das aufgrund des Gurtes wohl zum Umhängen durch den Träger gedacht war und in den ersten beiden Jahrzehnten des 15.Jahrhunderts in Böhmen oder Österreich gefertigt wurde. Man hat daher angenommen, dass die Zeichnungen des Musterbuchs im Besitz eines Wanderkünstlers waren. Dieses bleibt allerdings nur eine Vermutung, da das kostbare Futteral ebenso ein Hinweis darauf sein könnte, dass die Zeichnungen als Geschenk gedacht waren und für den Transport geschützt werden sollten.

Die Faksimile-Edition umfasst die gesamten 56 Federzeichnungen des Musterbuches auf grünlichem Papier und wird in einer Nachbildung des Lederfutterals mit einer opulenten Blindpressung geliefert. Der Kommentarband stammt aus der Feder von Dr. Maria Theisen vom Institut für Kunstgeschichte an der Universität Wien, die zugleich Angehörige der Kommission für Schrift- und Buchwesen der Österreichische Akademie der Wissenschaften ist und Prof. Dr. Eberhard König (vormals FU Berlin), einem ausgewiesenen Experten für die Buchmalerei des 15. Jahrhunderts.

Das Faksimile des Wiener Stundenbuchs ist im deutschsprachigen Markt ausschließlich bei DOMI Exclusiv erhältlich (www.domi-exclusiv.com).

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