Das Buch der Liebenden (Codex 388 des Musée Condé in Chantilly)

Eine anrührende Erzählung über das Schicksal zweier Liebender – dieses zeitlose und immer wieder neue Thema erzählt die Histoire d`Amour sans paroles aus dem beginnenden 16. Jahrhundert. Das Besondere an dieser Handschrift ist die Tatsache, dass sie fast völlig ohne Text auskommt („sans paroles“) und doch umfassend über das höfische Leben am Ende des Mittelalters berichtet. Auf 30 Seiten wird in insgesamt 15 Episoden eine Liebesgeschichte erzählt. Jede Episode wird in Form einer ganzseitigen Miniatur dargestellt und ergänzt werden diese Abbildungen durch zwölf Schmuckseiten, die mit erklärenden Symbolen und Ornamenten gefüllt sind. Lediglich auf zwei Sätze Text wird der Betrachter stoßen, die sich in den Randleisten des Manuskriptes finden.

Dabei werden Stimmungen und Botschaften mithilfe unterschiedlicher Farbgebung wiedergegeben. Außerdem repräsentieren Tiere und Pflanzen bestimmte Eigenschaften und Personen. Jeder Betrachter wird von der rätselhaften Bildsprache dabei unweigerlich in den Bann gezogen und kann sich sein eigenes Urteil über den Sinn der einzelnen Darstellungen bilden.

Die einzelnen Szenen zeigen Ausschnitte aus dem zeitgenössischen Leben am Hofe, zum Beispiel bei einem Tanzfest. Aber man sieht das Liebespaar auch ganz intim in seiner Zweisamkeit bei einem Spaziergang durch den Wald oder einer zärtlichen Umarmung. Die Abbildungen passen auch zu keiner anderen weltlichen Handschrift in Textform und wir werden uns damit begnügen müssen, die Quelle der Inspiration des Illustrators – wenn es sie denn gegeben hat -  nie kennenzulernen-
Bis heute kennt man auch den Namen des Künstlers nicht, der Urheber der Zeichensprache gewesen ist. Sicher ist nur, dass die Handschrift im Auftrag der Familie Brosse entstanden ist. Diese ist Teil des westfranzösischen Adels und tritt zum ersten Mal im 11. Jahrhundert als Nebenlinie des Hauses Limoges auf.

Im 19. Jahrhundert wurde das Buch der Liebenden vom Sohn des Königs Louis-Philippe, dem Herzog von Aumale, Henri d’Orléans, als Teil der Bibliothek des Buchliebhabers Armand-Bernard Cigogne (1790-1859) erworben und Teil der Kunstsammlung von Schloss Chantilly, die er später dem Institut de France vermachte. Wie andere Bände der Sammlung auch, ließ der Duc D`Aumale das Büchlein neu einbinden. So erhielt es einen grünen Ledereinband mit goldener Prägung und roten Leder-Spiegel, ein Werk des Pariser Buchbinders Joseph Thouvenin (1791-1834).

Die Faksimile - Ausgabe entspricht dem Original auch im Format von 20 × 13 cm und wird ergänzt durch einen Kommentarband von Dieter Röschel, Michael Zink und Patricia Stirneman.
Das Buch der Liebenden ist im deutschsprachigen Markt exklusiv bei DOMI Exclusiv erhältlich (www.domi-exclusiv.com).

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