Das Bestiarium aus Peterborough

Parker Library in the Corpus Christi College, Cambridge, MS 53

Das Bestiarium ist um 1300 in der Abtei Petersborough in Ostengland entstanden und zeigt auf 100 Miniaturen auf Goldgrund oder im goldenen Rahmen die damalige bekannte Tierwelt, aber auch Tiere aus der Fabelwelt wie Einhörner, Sirenen oder den Phönix.

Tierbücher dieser Art haben ihren Ursprung in der Spätantike und gehen auf eine als „Physiologus“ bekannte Schrift zurück, in der ein anonym gebliebener Naturkundler – genau das bedeutet nämlich der Titel des Werkes – um das Jahr 200 n. Chr. wahrscheinlich in Alexandrien das mythologische und naturkundliche Wissen seiner Zeit über die Tierwelt zusammengetragen hat. Bereits in früheren antiken Schriften zur Tierwelt aus der Feder des Aristoteles oder Aelians wurden aus solchen Erkenntnissen philosophische Lehrern gezogen, beginnend mit dem Physiologus wurden in den mittelalterlichen Bestiarien diese Lehren entsprechend christologisch gedeutet. Das Werk erfreute sich so großer Beliebtheit, dass es im Laufe der Zeit immer weiter ergänzt wurde und so zu einer Grundlage der ersten frühmittelalterlichen Enzyklopädie des Isidor von Sevilla, den „Etymologiae“ aus dem 7. nachchristlichen Jahrhundert wurde.

In dieser Tradition ist das Bestiarium aus Petersborough zu sehen, das zu den schmuckvollsten Tierbüchern des Mittelalters zählt. Es ist mit einem Seitenformat von 34,8 x 23,6 cm zugleich auch eine der größten Handschriften dieser Art. Jede Seite ist mit einer farbigen Miniatur illustriert, die entweder auf einem strahlenden Goldgrund steht oder in Gold eingefasst ist. Die Kapitel werden mit ziervollen Initialen eingeleitet und sind - wie in englischen Handschriften üblich – mit zahlreichen weiblichen und männlichen Porträts geschmückt.

Die Kathedrale von Petersborough gehörte über viele Jahrhunderte zu den wichtigen geistlichen Zentren Englands, so dass in ihrem Skriptorium auch viele andere Handschriften hergestellt wurden. Das Bestiarium fand als Fundquelle für Predigten nicht nur Anklang in geistlichen Kreisen, sondern auch Laien erfreuten sich an den zum Teil kuriosen Beschreibungen und originellen Illustrationen. Seit dem ausgehenden 16 Jahrhundert wird die Handschrift des Bestiariums in der Bibliothek des zur Universität Cambridge gehörenden Corpus Christi College aufbewahrt.

Die Faksimile-Ausgabe

Die 44 Seiten des Bestiariums aus Peterborough sind im Originalformat von 34,8 x 23,6 cm faksimiliert worden, wobei die Auflage auf weltweit 1480 Exemplare begrenzt worden ist. Die Blätter sind originalgetreu randbeschnitten und wurden manuell zu einem Buchblock zusammengeheftet. Der braune Ledereinband ist in Handarbeit hergestellt worden und ist eine exakte Kopie des Einbands des Originals. So finden sich darauf als Rollenstempel auch die Motive eines Löwen, eines Drachen und eines Greifs.

Zusätzlich zur Faksimile-Edition gibt es einen wissenschaftlichen Begleitband, in dem alle Texte des Bestiariums übersetzt worden sind.  Die Übersetzung stammt aus der Feder von Christopher de Hamel, der das Original als Bibliotheksdirektor des Corpus Christi College in Cambridge bestens kennt, und von der Lucy Freeman Sandler von der New York University, die eine bekannte Expertin für englische Buchmalerei ist.

Die originalgetreue Faksimile-Edition des Bestiariums von Petersborough ist im deutschsprachigen Markt ausschließlich bei DOMI Exclusiv erhältlich (www.domi-exclusiv.com).

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